Melnikow Haus in Moskau

Das Wohn- und Atelierhaus des russischen Architekten Konstantin Melnikow gehört zu den Wunderwerken der Architektur des 20. Jahrhunderts. Für viele ist es das schönste Haus in Moskau, für andere eins der schönsten Häuser des 20. Jahrhunderts. Weltweit. Doch besuchen konnte man es seit seiner Erbauung 1927/8 nicht. Das Haus war privat, hier lebten der Erbauer und seine Familie. Nach dem Tod des Malers Wiktor Melnikow 2006 führten die Erben, das Moskauer Architekturmuseum und der Staat einen langen, undurchsichtigen Kampf um das Baudenkmal. Die Prozesse sind noch immer nicht beendet, doch inzwischen ist das Melnikow-Haus ein Museum und für Besucher zugänglich. Im Berliner Verlag “Dom Publishers” ist zudem gerade auch das beste verfügbare Buch über das Melnikow-Haus erschienen. Geschrieben hat es der junge Direktor des Melnikow-Museums Pavel Kuznetsov.

Hier mein Beitrag über das Melnikow Haus, Kuznetsov und sein Buch für den WDR als Podcast.

 

 

Foto 1, 4, 5: Dom Publishers

Foto 2 und 3: Uli Hufen

Opfer zweiter Klasse – Sowjetische Kriegsgefangene

Als Deutschland im Juni 1941 die Sowjetunion angriff, wurde der 2.Weltkrieg zu dem, als was er heute erinnert wird: der mörderischste Krieg, der je ausgefochten wurde. Allein die Sowjetunion hatte 27 Millionen Kriegstote zu beklagen – fünfzehn mal soviel wie Frankreich, Großbritannien und die USA zusammen. Unter den Toten waren auch drei Millionen sowjetische Soldaten, die in deutscher Kriegsgefangenschaft unter barbarischen Umständen umkamen. Die Zahl ist enorm, sie ist auch kein Geheimnis. Und doch liegt das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen, wie Bundespräsident Gauck vor zwei Jahren anlässlich des 70. Jahrestags des Kriegsendes sagte, “bis heute in einem Erinnerungsschatten”. Die Rede von Gauck hat daran wenig geändert.

Beitrag für DLF “Aus Kultur und Sozialwissenschaften” als Podcast hier.

Mikael Tariverdiev: Soundtrack zu “Ironie des Schicksals” (Deutschlandradio Kultur)

Der englische Musiker Stephen Coates und das Label Earth Recordings setzen ihre Tariverdiev-Offensive fort. Nach der fabelhaften 3CD-Filmbox vom letzten Jahr veröffentlicht das Label jetzt einen ersten kompletten Soundtrack von Tariverdiev: “Irony of Fate/Ironie des Schicksals/Ирония судьбы” (1975, Regie: Eldar Rjasanow). Weiter sollen folgen und Zeit wird es!

Mehr hier, hier und hier!

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Die Maiski-Tagebücher. Ein Diplomat im Kampf gegen Hitler. 1932 – 1943. (WDR)

bildschirmfoto-2016-12-02-um-12-56-16Am 29. März 1938 besucht Iwan Maiski, 54 Jahre alt und seit beinah sechs Jahren Botschafter der Sowjetunion in London, eine Sitzung des britischen Oberhauses. Zwei Wochen nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Er hört, wie diverse Lords ihre Bewunderung für Hitler bekunden. Er hört, wie verlangt wird, “Mein Kampf” ins Englische zu übersetzen. Und er hört, dass es nicht im englischen Interesse liege, der Tschechoslowakei gegen Hitler zu helfen.

“Niemals in meinem Leben habe ich eine solche Ansammlung von Reaktionären gesehen wie in diesem Oberhaus. Sichtbar überwachsen vom Schimmel der Jahrhunderte. Sogar die Luft in der Kammer ist abgestanden und gelblich. Sogar das durch die Fenster herein scheinende Licht ist funzelig. Die Männer, die auf diesen roten Bänken sitzen, sind geschichtsblind wie Molche und bereit, wie geprügelte Hunde dem NS-Diktator die Stiefel zu lecken. Sie werden dafür bezahlen, und ich werde es noch erleben!”

Schon der kurze Auszug lässt ahnen, warum Iwan Maiskis Tagebücher so außerordentlich bedeutsam sind. Maiski war über viele Jahre in entscheidenden Momenten der Weltgeschichte in entscheidender Funktion am entscheidenden Ort. Als Beobachter, als Chronist und als Akteur. Er war ein kluger, weitsichtiger Mann. Er konnte schreiben. Und – überaus ungewöhnlich für einen Mann in seiner Position: Maiski ging das Wagnis ein, private Aufzeichnungen zu produzieren.

Gabriel Gorodetsky: “Ohne Zweifel wurde vieles davon für die Nachwelt geschrieben. Schon 1932 ahnte Maiski, dass Hitler wahrscheinlich Kanzler in Deutschland werden würde und dass das zum Krieg führen würde. Und er wusste, dass er selbst eine große Rolle spielen würde. (…) Darum beschloss er seine Erlebnisse aufzuzeichnen. Andererseits war er jemand, der ohnehin schrieb: Literatur. Gedichte. Fast schon zwanghaft. Darum zeigt das Tagebuch die politische Situation auf dem Weg zum Krieg und ist gleichzeitig voll mit persönlichen Details. Es ist ein Hybrid aus Literatur, Politik und Geschichte.”

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