Serhij Zhadan: Warum ich nicht im Netz bin (DLF Büchermarkt)

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Der 1974 im ostukrainischen Donbas geborene Serhij Zhadan ist in den letzten zehn Jahren unaufhaltsam zum wichtigsten ukrainischen Dichter und Schriftsteller aufgestiegen. Erstaunlich ist das nicht zuletzt deshalb, weil seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 vor allem Westukrainer wie Jurij Andruchowytsch oder Kiewer Autoren wie Andrej Kurkow die ukrainische Literatur repräsentiert haben: im In- und Ausland. Der Osten der Ukraine hingegen gilt vor allem in der Ukraine selbst vielen als kulturloses Niemandsland. Zhadan ist seit mehr als zehn Jahren die Speerspitze einer kulturellen Szene im Osten des Landes, die zeigt, dass der Donbas und Charkiw, wo Zhadan seit vielen Jahren lebt, alles andere als kulturlos sind. Oder waren: Der Band “Warum ich nicht im Netz bin” bringt nun erstmals Texte von Zhadan, die entstanden sind, nachdem Russland 2014 dem Donbas einen Krieg aufzwang, aus dem auch zwei Jahre später kein Ausweg in Sicht ist.

Der Krieg im Donbas ist für Serhij Zhadan kein abstraktes Problem, sondern ein konkretes. Ein sehr nahes, physisch, psychisch, emotional. Zhadan wurde im Donbas geboren, dort leben bis heute Freunde und Verwandte. Zhadan liebt die Leute aus dem Donbas, er liebt die Landschaft, er liebt die Städte. Jene karge Landschaft und jene wenig einladenden Städte, die so schwer zu lieben sind, zumindest für Außenstehende. Landschaften und Städte, deren Namen bis 2014 in Europa kaum jemand kannte und die zwei Jahre später auch schon wieder fast vergessen sind. Starobilsk, wo Zhadan geboren wurde, Slawjansk, wo der Krieg begann, Debaltsewo, wo eine der schlimmsten Schlachten des Krieges geschlagen wurde. Donetsk und Luhansk – jenes Luhansk, das bis 1992 Woroschilowgrad hieß – genau wie Zhadans bislang bester Roman im Original. Auf Deutsch wurde aus “Woroschilowgrad” dann “Die Erfindung des Jazz im Donbas”.

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Serhij Zhadan. Warum ich nicht im Netz bin – Gedichte und Prosa aus dem Krieg. Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe und Esther Kinsky.

Edition Suhrkamp. 170 Seiten, 16,00 Euro