Regime

Das Regime und die Dandys. Russische Gaunerchansons von Lenin bis Putin, Rogner&Bernhard 2010, 328 Seiten, 35 Bilder, 19.90 Euro

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Leseprobe

Das berühmteste russische Lied des 20. Jahrhunderts, wovon handelt es? Ist es ein Marschlied aus dem Zweiten Weltkrieg? Ein Lied über den Aufbau des Kommunismus? Ein Liebeslied? Oder handelt das berühmteste russische Lied des 20. Jahrhunderts von einer Odessaer Gangsterbraut, die ihre Kollegen an die Geheimpolizei verrät? Und warum zum Teufel hat so gut wie niemand im Westen je von der glamourösen Dame gehört? Warum kennt niemand ihren Namen, obwohl er so schön ist und sich außerdem leicht merken lässt: Murka. MURKA. Murka.

Quer durch das 20. Jahrhundert haben Russen Lieder wie “Murka” geschrieben, gesungen und gehört. Gaunerchansons. Blatnye Pesni. Blatnjak. Lieder über schwere Jungs und leichte Mädchen, Brüche und Diebstähle, das Gefängnis, Drogen und die Liebe. Unerhörte, anarchistische Oden an die Freiheit, freche, ironische Straßenlieder, Zoten. Der russische Beamte fürchtet die Gaunerlieder traditionell wie der Teufel das Weihwasser, das Volk blieb unbeeindruckt und sang.

Doch die Gaunerlieder wurden auch aufgenommen. In den 30er Jahren legal auf Schellack, dann, nach Stalins Tod, illegal auf Tonbänder und schließlich auf Kassetten, die millionenfach kopiert und weitergereicht wurden. Die Stars der goldenen Ära des Blatnjak in den 60er und 70er waren Sänger wie Arkadij Sewernyj oder Kostja Beljajew und Produzenten wie Rudolf Fuks und Stas Jeruslanow.

Uli Hufen ist auf den Spuren des sowjetischen Blatnjaks nach Sankt Petersburg, Odessa und Moskau gereist und hat die überlebenden Helden und ihre postsowjetischen Erben aufgespürt. In DAS REGIME UND DIE DANDYS erzählt er die Geschichte einer Musik, die jahrzehntelang totgeschwiegen wurde und doch nie totzukriegen war.

Zweitausendeins

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